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2 Welttronauten auf 4 Rädern

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Willkommen in Vietnam. Bereits nach etwas mehr als einer Woche unser liebstes Land in Indochina. Natürlich mit Vorsicht, denn wir kennen ja noch lange nicht jede Ecke des Subkontinents. Doch wer kann schon verachten, was wir hier finden: enge grüne wunderbar vollgestopfte Gassen in Hanoi, eine bunte Auswahl an Speisen, grün leuchtende Reisfelder bis an den Rand des Horizontes, eine Mopedtour durch den Norden Vietnams, die wir nie vergessen werden. Nicht zu vergessen die noch unbekannten Abenteuer im Süden des Landes.

Nach einer unglaublich ruckeligen Busfahrt, in Schlafsitzen die immer enger zu werden schienen und mit laut schallernder Musik ab 5:00 Uhr morgens, kommen wir noch in den frühen Morgenstunden endlich in Hanoi an. Bereits als die Stadt am Horizont auftaucht, sieht man die Skyline durch den Morgendunst glimmen. Moment... Skyline? Richtig, Hanoi und auch Vietnam spielt in einer anderen Liga, als man vielleicht erwarten würde. Ähnlich (wenn auch nicht ganz so überwältigend) wie in Bangkok spürt man förmlich die Moderne. Selbst Matthias wird von Hanoi überrascht. Vieles hat sich in den drei Jahren seit seines letzten Besuches geändert. Zu aller erst einmal fahren deutlich mehr Autos. Große Autos. Teure Autos. Gemeinsam mit den noch immer klar in der Überzahl liegenden Rollern schlängeln sie sich durch die Straßen. In der Altstadt wimmelt es praktisch von westlich angehauchten Restaurants und Cafes. Doch auch jeder Menge vietnamesischer Restaurants mit dem Flair und Comfort, wie man es nur von der Hipsterszenerie kennt – und schätzt. Nicht zu verachten und Himmel sei dank immer noch in großer Anzahl vertreten sind die geliebten für Indochina fast schon charakterisitschen Mini-Plastikstühlchen und jede Menge improvisierte Ständchen. Da gibt es Bier direkt aus dem Faß, gebratene Reisnudeln vom offenen Feuer oder ... Kebab. Ohja, richtig gelesen. Schmeckt sogar ganz gut, auch wenn er mit dem legendären Mannheimer City Döner nicht mithalten kann :)

Der Schwarzmarkt ist leider nicht mehr was er einmal war. Wir sehen jede Menge Preisschilder... Wie bitte? Was ist aus dem Feilschen bis aufs Blut geworden? Handeln kann man heute in vielen Shops leider vergessen und wird sogar durch das ein oder andere Schild darauf hingewiesen: „No discounts today. Nor tomorrow.“ heißt es. Dafür ab sofort also doch lieber wieder nach China. Oder vielleicht hält der Rest Vietnams ja noch Schnäppchen für uns Sparfüchse bereit, das wird sich zeigen! :)

Preisverhandlungen hin oder her, es braucht keine fünf Minuten und wir fühlen uns Pudelwohl im Gewimmel und den engen Gassen der Altstadt Hanois. Wir finden eine günstige, saubere, ruhige Unterkunft praktisch mitten drin und von diesem Basispunkt aus beschlendern wir in den nächsten Tagen unsere Umgebung. Speisen und Trinken mal wieder wie die Könige – da wird Melanie durchaus das ein oder andere Mal den Sandwiches wieder abtrünnig. Bei all der Schlenderei und Schlemmerei haben wir jedoch auch ein wichtiges Ziel vor Augen: Zwei Minsk für unsere geplante acht-tägige Mopedtour durch Nordvietnam finden. Warum Minsk? Weil Matthias zusammen mit einem Studienfreund bereits 2011 einige wunderbare Tage mit diesen russichen Altkaliber-Maschinen in Vietnam verbracht hat. Damals wollten sie das beliebte Bergdörfchen Sa Pa erreichen, überschätzten jedoch die mögliche Reisegeschwindigkeit und vergnügten sich schließlich auch ohne am Ziel anzukommen. Man kann die Nostalgie praktisch spüren, als Matthias sich nun eifrig nach einem Verleih umschaut, der auch die Minsk führt. Dieses mal will er in Sa Pa ankommen.

Doch wir können keine Minsk finden... Was ist hier los? Vor drei Jahren säumte dieses Moped noch jede Straßenecke. Heute ist weit und breit nichts davon zu sehen. Wir erfahren, dass die alten Maschinen aussortiert wurden. Zum einen aufgrund neuer Richtlinien der Regierung, welche die Umwelt vor so alten zweitakt Klappermotoren wie denen der Minsk schützen soll – ganz ehrlich, wer hätte mit soviel Umweltbewusstsein in Vietnam gerechnet?! Zum anderen, weil Ersatzteile für die Nostalgiemaschinen sehr rar geworden sind. Wir finden zwar einen Shop, der zwei Minsk mit neuem viertakter Motor führt, jedoch sind diese bereits von jemand anderem ausgeliehen. Und dann finden wir keine mehr. Irgendwann dämmert es uns, der Plan muss geändert werden. Wenn auch mit etwas Herzschmerz und mindestens einer verdrückten Träne, lassen wir uns schließlich auf zwei Hondas ein. Nach drei wunderbaren Tagen in Hanoi düsen wir los. Die Trauer nach der Minsk - schneller vergessen als man auf den Huckelpisten fahren kann.

Den Großteil unseres Gepäcks lassen wir in dem Hotel in Hanoi. Was wir mitnehmen wird mit Spanngurten und in Satteltaschen verstaut. Für die ersten Kilometer aus der Stadt und ihrer näheren Umgebung heraus fahren wir eher große Straßen. So kommt man schnell voran, doch der Verkehr ist anstrengend und die Landschaft nimmt man nur hintergründig wahr. Sobald wir uns ausreichend von Hanoi entfernt haben, biegen wir ab. Auf ruhigere Straßen, weg vom lauten städtischen Leben. Auf der Suche nach einem geeigneten Ort zum Mittagessen, werden wir schließlich vom Betreiber eines „Ökocafés“ eingeladen. Zwar verkauft er nichts zu essen, läd uns jedoch ein und kocht für uns Reis, Ei und Kohl in seiner Wohnküche hinter dem Café. Englisch spricht er nicht, dafür übersetzt ein Gast etwas für uns. Soviel Gastfreundschaft. Uns wird ganz warm ums Herz. Wir bestellen etwas zu trinken, damit wir ihm, ohne seine Einladung zu vergraulen, trotzdem etwas Geld zahlen können. Doch auch das Getränkt möchte er sich nicht zahlen lassen. Sehr herzig und geschmeckt hat es auch :)

Schließlich machen wir uns wieder auf den weg. Die Landschaft wird grüner, die Dörfer kleiner, der Blick wandert weiter und weiter in die Ferne. Berge, Reisfelder, Idylle wie man sie nicht recht erwarten würde. Nach knapp 120km und etwa sechs Stunden erreichen wir unseren ersten geplanten Übernachtungs-Stop. Wir sind müde, der Popo zwickt und zwackt, die Handballen sind gerötet. Doch wir sind glücklich. Melanie hat ihren ersten Tag auf einem Moped gut überstanden und fühlt sich beim Fahren wohl. Der Roadtrip beginnt wunderbar. Die nächsten Tage verlaufen dann eigentlich alle sehr ähnlich. Gegen 8:00 Uhr fahren wir los und kommen zwischen 13:00 Uhr und 16:00 Uhr an. Je nachdem wie die Straße beschaffen ist, wie viele Pausen wir machen und wie lange es dauert unterwegs etwas Essbares zu finden. Vor allem das Frühstück stellt sich oft als Problem dar. Auf eine Nudelbrühe mit Fleischeinlage wollen wir lieber verzichten. Vielmehr suchen wir nach dem Erbe der französischen Kolonialisierung: dem Baguette. Doch es wird rarer, je weiter man sich aufs Land verzieht. Abgepackte Schokoküchlein werden unser Favorit. Denn die gibt es in absolut jedem noch so kleinem Laden zu kaufen. Komischerweise sehen wir nie, dass jemand außer uns sie kauft oder isst.

Am Abend des Dritten Tages, nach beinahe 400km kommen wir in Sa Pa an. Alpenidylle zwischen Reisterassen und Wasserfällen. Hier reisen auch die Vietnamesen selbst gerne hin und genießen das wunderschöne Bergpanorama. Wir gönnen uns einen Tag Pause und an diesem Tag hätten wir wohl auch nicht fahren wollen. Es regnet beinahe den ganzen Tag und ist dazu auch recht kühl, wofür wir mit unserem spärlichen Gepäck Kleidungs-technisch nicht recht ausgestattet sind. Wir gönnen uns nach kurzer Verhandlungsphase eine Unterkunft für 16€ und dafür bekommen wir ein wahnsinns Eckzimmer, mit Balkon direkt am Hang. Matthias, der in den letzten Tagen etwas kränkelte, lässt sich von der Badewanne bezirzen. Ein heißes Bad, Ruhe im gemütlichen warmen Bett und ein Besuch bei der Thai Massage lautet die verordnete Therapie.

Einigermaßen gekräftigt geht es am nächsten Tag weiter. Nun wieder gen Hanoi. Wieder stellt sich ein ähnlicher Rhytmus ein, jedoch kürzen wir die Etappen etwas. Gegen 8:00 Uhr losfahren, gegen 13:00 Uhr ankommen. Täglich etwa 100 km, am Ende des vierten Tages zurück in Hanoi. Land und Leute ändern sich. Das Leben scheint ländlicher zu werden und die Kleidung traditioneller. Die Menschen nicht unbedingt ärmer, aber einfacher. Auch sehen wir jede Menge Steinbrüche und müssen manches Mal durch matschige Baustellen manövrieren. Matthias ist nicht richtig fit. Dank der kürzeren Etappen, kann er den Rest des Tages meist im Bett liegen. Doch das Geruckel auf der Maschine, der hohe Grad an Aufmerksamkeit der im vietnamesischen Straßengewimmel einfach notwendig ist, die Schlaglöcher und Schlaggräben, all das was man nur lieben kann, wird auf die Dauer quälend, wenn man nicht fit ist. Adrenalin und Fahrfreude helfen ihm dennoch durch die Tour und Melanie beschwert sich auch nicht einen halben Tag mit der Nase tief im Buch neben ihm zu verschwinden.

Schließlich sind wir zurück in Hanoi. Der absolute Wahnsinnsverkehr beim Einfahren in die Stadt zieht uns mit wie ein reißender Strom. So unglaublich viele Fahrzeuge. 80% Roller, alle kreuz und quer. Wahnsinn. Irgendwie ein tolles Erlebnis. Mit der Sicherheit die uns acht Tage auf den Maschinen gegeben haben, schlängeln wir uns ruhig mitten durch. Um die letzte Ecke biegen und plötzlich ist es Zeit uns von den Hondas zu verabschieden. Wir haben sie gleichermaßen geliebt, am Ende alle 25km getauscht um die unterschiedlichen Druckpunkte auf der Sitzfläche und an den Lenkern auszunutzen. Die eine hatte mehr Power, die andere lehnte sich schöner in die Kurve, sie waren beide toll. Wir hatten eine grandiose Zeit. Wieder im Hotel angekommen fällt Matthias ins Bett und verarbeitet unseren unvergesslichen Trip im Schlaf. Und wenn er nicht genesen ist, dann träumt er wohl noch heute. :)

Wo wir sind...

Zentral & Südamerika
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