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Käpt’n Blaubär und die offene See

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Im Morgengrauen verlassen wir Panama City und gehen eine Jeep- und Bötchenfahrt später an Bord der Amande. Fünfzehn Meter lang, mit Platz für 12 Passagiere, Kapitän und kochendem Smutje. Unser platzoptimiertes Heim für die nächsten vier Tage.

Trotz all der Küstenkilometer rund um Panama ist es nicht so leicht, wie man denken würde, an Bord einer Segeljacht zu kommen. Karibische Winde und Wellengang verwandeln einige Tage vor unserer Abreise alles Meer in Küstennähe zu einer Buckelpiste. Daher werden wir gebeten, das Boot bei den San Blas Inseln vor Panama anzutreffen. Einfacher gesagt als getan – obwohl zugegebenermaßen alles für uns organisiert wird und wir lediglich Geldscheinchen bereit halten müssen. Ein kleiner Wermutstropfen, den wir aber schleunigst runterschlucken. Wir wollen unsere ausergewöhnliche Überfahrt nach Kolumbien genießen!

Ganz Panama schwört auf die Notwendigkeit eines 4x4 betriebenen Autos, um den entsprechenden Hafen zur Überfahrt nach El Porvenir zu erreichen. In der Tat wurde beim Teeren der Straße beinahe penibel darauf geachtet, mindestens alle fünf Minuten ein etwa 15 m langes Stück ungeteert zu lassen. Noch ein paar Kieselsteinchen hineingeworfen und schwupps, kann man den dümmsten Touries vielleicht wirklich weismachen, dass hier ein teures 4x4 Taxi notwendig ist. Wenn kambodschanische Busgesellschaften nur wüssten, was sie mit ihren löchrigen Straßen an notwendigem Fahrwerk rechtfertigen könnten!!! Nun gut, wer aufs Boot will, hat leider keine andere Wahl.

Also ab in den Jeep und dann ab aufs Motorbötchen. Die Sichtung einiger Delphine lässt uns das zweifelhafte Transport-Kartell beinahe vergessen und spätestens als wir uns endlich der Amande nähern jauchzt das Herz. Eine tolle Segeljacht, genügend Platz um sich nicht auf den Füßen zustehen. Sie ankert vor dem wohl witzigsten Grenzübergang unserer gesamten Reise. Ein kleines Häuschen auf einer minimal größeren Insel. Palmen, weißer Sand und Grenzbeamte die sich mit ihren tausend Kleiderschichten für einen antarktischen Winter zu rüsten scheinen. In Nullkommanix sind wir alle ausgestempelt und bereit für die nächsten Tage im Reisepass-Nirvana. Wir legen ab.

Die San Blas Inseln zählen insegsamt ganze 365 Miniparadiese. Viele bestehen beinahe nur aus einem Sandhügel und drei Palmen. Manche haben genug Platz für ein Haus, zwei Häuser, manchmal sogar ein kleines Dorf. Es ist ein lustiger, beinahe unwirklicher Anblick, der Zivilisation und Panama Citys Wolkenkratzer schnell vergessen lässt. Obwohl... eine zivilisierte Toilette und provisorischen Dusche an Bord, wissen wir natürlich dennoch sehr zu schätzen. :-)

Bewohnt und selbstständig verwaltet werden die Inseln von den Kuna, einer ethnischen Minderheit in Panama. Fröhlich gekleidet machen sie in ihren Bötchen die Runde und verkaufen frische Krebse und Hummer, bunte Tücher und Tuniken oder Kokosnüsse an die segelnde Ausländermeute. Wir fragen uns, was man auf einer Drei-Palmen-Insel eigentlich mit seinem erwirtschafteten Geld anfängt und kommen zu dem Schluss, dass Pimp my Boat wohl als sinnvolle Investition angesehen wird.

Drei Tage im Paradies. Wir ankern vor unbewohnten Inselchen, schnorcheln im glasklaren Wasser zwischen bunten Korallenriffen, machen Do-it-yourself-Yoga unter Palmen, im strahlenden Sonnenschein. Die französische Agathe bekocht uns ganz wunderbar mit jeder Menge Leckereien – die auch Melanie genießen kann, nachdem sie merkt, dass es sich auf Deck deutlich schwindelfreier mümmeln lässt. Es ist einfach wunder wunder schön. Gekrönt von der Tatsache, dass die anderen Passagiere größtenteils sehr nette und interessante Menschen sind.

Ganz besonders mögen wir Kyle und Carmen aus San Francisco (Carmen ursprünglich aus Hong Kong). Denkt man sich am Anfang noch, „hey, die sind wirklich nett“, suchen wir bald schon immer öfter das Gespräch, vertiefen uns in spannende Diskussionen und haben einfach einen Heidenspass miteinander. Die beiden sind ebenfalls auf einer Weltreise und haben die gleiche Reisephilosophie wie wir, die gleichen Vorstellungen und sogar das gleiche Tagesbudget. Tatsächlich sind fast alle Reisenden an Bord für Monate unterwegs (ansonsten hat man wohl auch nicht die Ruhe für tagelanges Segeln), doch in niemandem finden wir unsere eigene Motivation so sehr wieder, wie in Carmen und Kyle. Was tut es doch gut, soweit von Freunden und Familie entfernt, jemanden zu finden, mit dem man sich so wohl fühlt – abgesehen von einander natürlich.

Völlig eingenommen von unserem türkisenen Paradies ist es schließlich aber doch Zeit für die Überfahrt nach Kolumbien. Etwa 400 Meilen, bis zu 35 Stunden, informiert uns Victor, der Kapitän aus Argentinien. Eine Portion Sprachbarriere, eine Portion Konzentration und eine Portion Seebären-Persönlichkeit machen ihn zu einem unnahbaren, aber auch vetrauenswürdigen Kapitän. Er kündigt Wellen an. Auch das Wetter kündigt Wellen an. Melanie wird schon grün vor Augen.

Am Ende läuft es glimpflicher als erwartet. Noch innerhalb der ersten 2 Stunden entlehrt Melanie jeglichen Mageninhalt in 5 über den Kübel gebeugten Sitzungen. Matthias, der tapfere Ritter in weiß mit leichtem grünschimmer, hält tapfer und treu Hand und Haar. Danach hütet Melanie das Bett, bleibt in der vertikalen und vegitiert vor sich hin, bis wir (zum Glück) verfrühte 26 Stunden später über glattes Wasser in die Bucht Cartagenas einschippern. Die letzten zwei Stunden verbringen wir gemeinsam an Deck und beobachten die näher kommenden Lichter. Immer noch nicht ganz sicher, wie wohl er sich dabei gefühlt hat, ging Matthias auch während der Überfahrt einige Male an Deck und erlebte die Fahrt etwas aktiver. Bestaunte und fürchtete die riesigen Wellen. Bewunderte die Seefahrer. Genug Wohlbefinden um Fotos zu schießen konnte er dennoch nicht aufbringen, sodass Melanie sich noch immer fragt, wie hoch die Wellen wohl waren, die sie in den Schlaf geschaukelt haben. Immerhin, das Meterhohe auf und ab im Mondscheinlicht erinnert Matthias an Szenen aus dem Film „der Sturm“.

Eine Überfahrt auf offenem Meer kann uns beide wohl so schnell nicht mehr verlocken. Dennoch war es ein Abenteuer, eine (eventuell) einmalige Erfahrung. Wir sind froh es gemacht zu haben. Wir sind auch froh schließlich wieder an  Land zu gehen. Südamerikanisches Land, kolumbianisches Land. Die Reisepässe sind schneller gestempelt als das Schwindel-Schnaps-Gefühl des wankenden Asphaltes vergeht.  Wir verabschieden uns von den anderen Passagieren – aber nicht von Kyle und Carmen. Nicht sicher, ob wir zusammen weiterreisen wollen oder uns einfach noch nicht verabschieden können. So oder so, die Ladies lassen sich mit allem Gepäck in einer Bar nieder und schlürfen ein Bierchen, während die Gentleman eine Unterkunft für uns vier suchen. Gefunden, einquartiert, Kolumbien kann losgehen.

Wo wir sind...

Zentral & Südamerika
Position Hawaii
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Literatur & Filme

Cambodias Curse von Joel Brinkley [Buch]
Kambodschas Geschichte von Vorgestern bis Heute

Rumour of Spring von Max du Preez
[Buch]
Südafrika nach 20 Jahren Demokratie


Spielball Erde von Claus Kleber: [Buch], [Dokumentation], [IPad-App]
Kampf um knappe Ressourcen

12 Years a slave
[Buch],[Film]
Wahre Geschichte eines entführten und versklavten Amerikaners

Webseiten

Kiten im Paradies bei D&D Kitetravel

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