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Durch Dick und Dünn

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Von Saigon nach Honolulu, etwa 10.000 km beinahe ausnahmslos direkt über dem offenen Meer. Abgesehen von der zu erwartenden Portion Schlafmangel bringen wir die Reise prima hinter uns. Und dann wird es Zeit in die USA einzureisen. Was wird uns hier wohl erwarten? Nun der Eindruck der ersten Tage lässt sich wohl kurz und knackig so beschreiben: Es ist eine Reise durch dick und dünn.

Als wir bei der Flugsuche realisierten, dass Honolulu ein häufiger Zwischenstopp auf der Reise von Südostasien in die USA ist, beschlossen wir beinahe sofort, dies auszunutzen. Während wir nun im Flieger sitzen, kommt uns der Gedanke, dass Hawaii bestimmt kein schlechter Einreisepunkt für die USA ist. Was haben wir schon an Gruselgeschichten über die zeitaufwendige und nervenaufreibende Einreiseprozedur gehört. Vielleicht haben wir bei den sonnenverwöhnten und kokosnusswasser-erfrischten Hawaiianern ja Glück. Und tatsächlich lässt sich das „nur“ dreimalige Kontrollieren des Handgepäcks und das ausgesprochen freundliche Ausquetsch-Gespräch bei der Passkontrolle entspannt und mit einem „Aloha“ auf den Lippen hinter uns bringen.

Schon sind wir „drin“. Bereits bei der ersten Nase voll frischer hawaiianischer Luft jauchzt das Herz vor Freude. Es ist warm aber gleichzeitig unheimlich frisch. Stetiger Wind und jede Menge Sonne. Geringe Luftfeuchtigkeit. Na hier kann man es wohl aushalten! Die ersten drei Tage haben wir uns in Waikiki Beach eingebucht. Trotz ewiger Suche leider wahnsinnig teuer und dabei auch noch verdammt dürftig. Der gesammte Komplex bietet eine 360° rundum Akustik der Nachbarschaft inklusive. Da hört man noch den Nachbarn drei Häuser weiter hinter der Mülltonne pupsen. Baustellen, Müllwagen... in Waikiki geht die Post ab! Aber das ist wohl der Preis um Honolulu zu sehen. Sobald wir unsere Campingausrüstung zusammen haben, wird es uns an die Nord- und Westküste der Insel Oahu ziehen.

Im stetigen Kampf gegen den Jetleg bei 17 Stunden Zeitdifferenz zu Vietnam schleppen sich die nächsten Tage etwas dahin. Die ersten Eindrücke des American Way of Life lassen sich sammeln, auch wenn Hawaii wohl eher eine light Variante ist. Der Zensus im Jahr 2010 ergab, dass von den 1,3 Millionen Hawaiianern etwa 40% asiatischer Herkunft, 25% „Weiße“ und 10% Uhreinwohner sind (plus Restkategorie). Auch unter den Touristen scheinen asiatische Einflüsse zu dominieren. Zwischen jeder Menge zugeknöpft badender Asiatinnen mit Sonnenschirmen, vietnamesischen und japanischen Restaurants fühlen wir uns pudelwohl.

Zwischen den riesigen Hotelbauten, durch das Geschäftsviertel und am aufgeschütteten Strand entlang laufend, dominiert in Honolulu aber vor alles eines: der künstliche Eindruck. Eine Großstadt mit Skyline mitten im Pazifik, jede Menge Beton, Glas und wacker aufrecht stehende Palmen. Es ist ein verrückter Ort.

Noch verrückter wird es in der Konsumentenlandschaft – hier ist es wohl richtig amerikanisch. Enthusiastisch darüber, dass wir nun endlich mal wieder Hostelküchen nutzen und selbst kochen können, haben wir bereits so allerhand in Planung. Der anhaltende Wunsch nach Vitaminen seit unserer häufigen Erkältungen ist oberstes Gebot! Allerdings muss man schon ein geschultes Auge beweisen, um im Supermarkt voller XXL-Tiefkühlkost und künstlichem „non high fructose“-Quatsch die Obst- und Gemüseecke zu finden. Unser Plan eine Salat zu machen ist allerdings schnell über Bord geworfen, als wir realisieren, dass die Zutaten doppelt so viel wie ein verdammter Fertigsalat kostet. Gut. Wer braucht schon unterschiedliche Vitamine... hauptsache irgendwelche Vitamine. Also tut es ein Tomatensalat auch.

Auch die restlichen Gänge des Supermarktes erweisen sich als ein Zoo für XXL und XXS Produkte, dazu in regelmäßigen Abständen die entsprechende Käuferschicht als Beobachtungsexemplar. Mega dick oder beängstigend dürr. Wenn wir uns die 3-Liter Getränkekanister und Fertiggerichte anschauen, uns die dazugehörige Massenfresserei vorstellen, sympathisieren wir wohl selbst eher mit Letzterem.

Schneller als ein weltoffener flexibler Bürger es zugeben würde, zieht es uns zum Altbekannten. Japanische Udon zum Mittagessen. In Saigon haben wir uns bereits hoffnungslos in dieses Nudelgericht verliebt und sind froh, es hier beim Japaner zu finden. Wir studieren das Menü, lesen von normalen oder großen Portionen und fragen uns, was das in XXL-Land wohl bedeutet? Ein Pakt wird geschlossen. Wir wollen niemals eine „große“ Portion bestellen. Wer weiß wie viele Kilo man dann bekommt! Selbes gilt für Getränke und wird umgehend bestätigt, als wir die großzügige „normale“ Portion sehen und uns den kleinsten Getränkebecher – mit sage und schreibe 600ml Inhalt – zum Glück teilen.

Eines muss man den hawaiianischen Amerikanern aber lassen. So unter- oder überernährt sie auch sind, sie sind wahnsinnig freundlich. Wir fühlen uns richtig unhöflich, weil wir nicht die Worte finden, jede zwischenmenschliche Aktion mit einem haufen herzlicher Ausdrücke zu füllen. Sei es nun das Personal im Hostel und Restaurant, oder irgendein Passant, den wir auf der Straße nach dem Weg fragen. Selbst der Sicherheitsmann im Supermarkt wünscht uns einen „wonderful day and thank you so much for your purchase“. Eeeeehm, ja. Dir auch... buddy!?

Zwei Grundeinstellungen prallen wohl aufeinander, als wir uns einen Cappucino im Coffe-Shop bestellen. Matthias wird gefragt, was er für Milch möchte. Seine natürliche Antwort. „Vollmilch“. Ungläubige Blicke werden ausgetauscht... Vollmilch gibt es nicht. Nur „half“, zwei Prozent oder (was auch sonst) null Prozent. Hui, wenn das die gute alte Alpenmilch-Kuh wüsste.

An vieles müssen wir uns wohl erst gewöhnen. Auch beginnen wir die Abwesenheit von Tausenden hupender Roller zu realisieren. Gar nicht so doof, das entspannte, ruhige Schlendern. Geht man über den Zebrastreifen, halten die Autos sogar an, statt knapp an einem vorbei zu düsen. Geht man über eine rote Ampel, handelt man sich einen vorwurfsvollen Blick ein. Gut, darauf könnten wir verzichten.  Es ist schön mal wieder in der westlichen Welt zu sein, wenn auch etwas ulkig.

Wo wir sind...

Zentral & Südamerika
Position Hawaii
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Literatur & Filme

Cambodias Curse von Joel Brinkley [Buch]
Kambodschas Geschichte von Vorgestern bis Heute

Rumour of Spring von Max du Preez
[Buch]
Südafrika nach 20 Jahren Demokratie


Spielball Erde von Claus Kleber: [Buch], [Dokumentation], [IPad-App]
Kampf um knappe Ressourcen

12 Years a slave
[Buch],[Film]
Wahre Geschichte eines entführten und versklavten Amerikaners

Webseiten

Kiten im Paradies bei D&D Kitetravel

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