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Amerika, Amerika

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Nach insgesamt sechs Wochen in den USA neigt sich unsere Zeit hier dem Ende zu. Während des letzten Stops in New Orleans lassen wir die gesammelten Eindrücke bei einer stattlichen Portion Jazz und Blues noch einmal Revue passieren. Mit einem Bier in der Hand fragen wir uns: Wie haben uns die USA eigentlich gefallen?

Die beiden Nationalparks Yosemite und Zion fanden wir wirklich bezaubernd und auch wenn das Death Valley einfach nur dörr und öd war (was ja eigentlich zu erwarten ist), muss man im Angesicht dieser endlosen naturbelassenen Landschaften einfach in Ehrfurcht erstarren. Die Natur der USA hat uns wirklich in ihren Bann gezogen und wird uns motivieren, in Zukunft noch den ein oder anderen Park zu besuchen und zu bewandern.

Dann wiederrum sind die USA ja wirklich so ganz und gar nicht natürlich. Wir haben schon viel von dem XXL-Konsum berichten, doch darüber hinweg kommen wir noch lange nicht. Es sind nicht nur die Portions- und Kleidergrößen. Es sind auch die Wohnwagen der Größe einer Zwei-Zimmer-Wohnung (manchmal sogar mit Garage hinten drin, damit man den „mobilen“ SUV nicht per Anhängerkupplung ziehen muss). Selbst die Klobrillen sind größer.

Wir können uns nur empören über den relationslosen XXL-Wahn vor Ebola. Dieser führt zum Beispiel dazu, dass eine Lehrerin, die zur Zeit des ersten in den USA bekannten Ebola-Falles lediglich in der selben Millionen-Stadt wie der Patient war, von der Elternschaft ihrer Schule zu drei Wochen Hausarrest verdonnert wird. „Better safe than sorry“. Als die arme Frau eine Runde mit dem Fahrrad drehen will, wird sie prompt von Presse und Polizei belagert. Letztere bedauert offenkundig, sie nicht mit Gewalt im Haus halten zu dürfen. Ein Studienbewerber aus Nigeria wird von einer Universität in Texas abgelehnt, mit der Begründung, dass niemand aus Ländern mit bekannten Ebola-Fällen mehr angenommen werde! Es reicht aber auch in so einem entfernten Land wie Sambia gewesen zu sein, 5000km von jeglichem Ebola-Fall entfernt, um die USA auf den Panik-Plan zu rufen. Diese Erfahrung muss ein Schuldirektor machen. Zum Glück sind wir mit unserem Sambia Stempel zwei Wochen vor dem ganzen Ebola Chaos eingereist.

Diese Überreaktionen, die wir übrigens (lustigerweise) bei der Zeit wiedergefunden haben machen für die 08/15 Amerikaner aber eben sehr viel Sinn. Man beweist hier, sich informiert zu haben, über Weltthemen bescheid zu wissen und rationale, notwendige Schlüsse für die Sicherheit des amerikanischen Volkes zu ziehen. Die nationalen Nachrichten, die überall in Dauerschleife laufen – ein TV der etwas auf sich hält, läuft mindestens 24/7 – tragen dazu jede Menge überpanisches Quatsch-Palaber bei und haben nichts besseres zu tun, als live zu demonstrieren, wie der Nachrichtensprecher eine medizinische Schutzmaske und Gummihandschuhe anzieht. Lebe wohl seriöser Journalismus!

Ein weiterer Punkt über den wir während des gesammten Aufenthaltes nicht hinweg kommen, ist die gewaltige Müllproduktion. Plastikgeschirr überall! Beim Frühstück im Motel, an jeglichem Buffet. Selbst wenn man im Coffee-Shop einen Kaffe für hier bestellt, bekommt man ihn im to-go-Becher. Wir haben die Erklärung bekommen, dass manche Amerikaner meinen, dadurch Wasser fürs Spülen zu sparen und somit die Umwelt zu schonen. Achsooooo! Ein Glück, dann ziehen wir ja doch alle an einem Strang. Immerhin hat man hier auch schon erkannt, Fensterscheiben besser fest einzusetzen und die Frischluft-Zufuhr durch Klimaanlagen-Luft zu ersetzen – soweit sind wir in Europa ja noch nicht.
Zu all dem kommt jederzeit eine ordentliche Portion Nationalstolz, womit wir ebenfalls so unsere Problemchen haben. USA, Weltmacht, Ort des Wandels und Fortschrittes, erste Welt. Alles ist „awesome“, jeder ist „welcome“ und eigentlich ist doch niemand so klasse wie sie selbst. Hier begreift wohl wirklich niemand, mit was für großen Schritten Länder wie China eigentlich voranschreiten. Das Entwicklung überall auf der Welt stattfindet. Wenn das Tech Museum of Innovation im Silicon Valley nur wüsste, dass es im Gegensatz zum Copernicus Science Centre in Warschau, wie ein Kinderspielplatz wirkt! Sie würden es ohnehin nicht glauben.

Eigentlich geht es immer so weiter, mit eigenartigen Eindrücken, über die wir nur den Kopf schütteln. Manchmal auch über uns selbst, denn vielleicht sind wir auch einfach zu engstirnig um die Andersartigkeit der USA zu erkennen und uns von unserem European Dream zu lösen. Wir werden das Gefühl nicht los dieses und jenes in Europa irgendwie besser zu lösen, irgendwie klüger zu sein und weitgreifender zu denken. Gesünder zu leben, umweltbewusster zu verbrauchen, als Staat humaner zu agieren und eben nicht „surviving of the fittest“ zu propagieren. Die Hälfte davon ist wahrscheinlich quatsch. Weder können wir von uns behaupten, ein umfassendes Bild der ganzen USA zu haben. Noch mit den Menschen aus verschiedensten Regionen und Schichten gesprochen zu haben. Wir haben weder die klügsten, noch die dümmsten kennengelernt. Wir sind nur herumgestromert und haben Eindrücke gesammelt, wobei uns vieles nicht gefallen hat – vielleicht aber auch weil es zu anders war. Und weil wir uns nach sechs Monaten in der dritten Welt ein bisschen mehr Europa-Gefühl erhofft hatten. Stattdessen dürfen wir vielerorts nicht mal unser Bierchen in der Öffentlichkeit genießen. Sehr uneuropäisch!

Eines darf man jedoch auf keinen Fall verschweigen. Uns wird jederzeit mit beeindruckender Offenheit, Freundlichkeit und Neugier begegnet. Irgendwelche Menschen, die uns auf der Straße sprechen hören, fragen: „Hey, woher kommt ihr eigentlich?“. Jeder ist offen für ein bisschen Geplauder. Kundenservice wird groß geschrieben und an Höflichkeit mangelt es selten. Das ist eine sehr beeindruckende Eigenschaft. Klar, man könnte es als Oberflächlichkeit abstempel. Kann man aber auch lassen. Sich davon mitreißen lassen und es genießen, Tourist zu sein. Hier wird es einem wirklich nicht schwer gemacht. Man wird mit offenen Armen empfangen! Das ist nicht überall so und es ist viel wert. Wir geniessen es zum ersten mal ohne Sprachbarrieren zu reisen.

Genau mit diesem Gefühl, bei Bierchen und toller Musik auf den Straßen und in Bars, bei angenehm sommerlichen Temperaturen klingen die letzten Tage USA in New Orleans aus. Wie wir uns schon gedacht haben, erahnen wir in Louisianna bereits ein anderes Amerika, als an der Westküste. Es gibt hier noch viel für uns zu sehen und erkunden. Die Neugier stirbt zuletzt. :-)

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