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Achterbahn der Gefühle

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Unser Flug von Nairobi, Kenya nach Mumbai, Indien ist für Ende Juni gebucht und somit beginnen die letzten Wochen in Afrika. Zugleich spüren wir die Anstrengungen des Dauer-Reisens der letzten zwei Monate und sehnen uns nach etwas Entschleunigung. Es ist Zeit, das Innland hinter sich zu lassen und wieder an die Küste zurück zu kehren. Unser Ziel lautet Sansibar – weiße Strände, türkises Meer auf dem autonomen Inselstaat Tansanias.

Dazu müssen wir in einer Hau-ruck-Aktion zuerst ordentlich Kilometer hinter uns bringen. Mit der Tazara (TAnzania SAmbia RAilway) wird es einem mehr als einfach gemacht. Dabei handelt es sich um eine Bahn, die von Zentral-Sambia ab Kapiri Mposhi bis an die Küste Tansanias nach Dar El Salam durchtuckert. 1860 km, mit herzlichem Dank an die Chinesen, die dieses Projekt seit 1970 finanzieren – inklusive aller immer wieder anstehenden Reparaturen und Wehwehchen. Mit der „Expressvariante“ dauert die Fahrt etwa 46 Stunden – exklusive mit Sicherheit eintretender Verspätung. Klingt lang, lässt sich in den Schlafwagen der 1. und 2. Klasse aber bestimmt sehr angenehm aushalten. Fast zu gut um wahr zu sein.

Tatsächlich gestaltet sich das Ganze komplizierter. Bei der Ticketreservierung teilt man uns mit, dass die Bahnangestellten in Tansania streiken – das gibt es in Afrika also auch :). Tazara inklusive der arbeitswilligen sambischen Mitarbeiter fährt daher nur bis zur Grenze und dreht dann um. Dahin der Traum des in-den-Zug-setzens-und-fahren-lassens. Am Ticketschalter selbst ist von unserer Reservierung keine Spur zu entdecken, dafür aber eine Geschlechtertrennung in den Schlafabteilen. Platz ist noch genug, da die gemütliche erste Klasse nur für wohlhabende Sambier und westlich-weiße Geldsäcke mit anderem Preisempfinden wie uns erschwinglich ist. Der Zug ist bei weitem nicht ausgebucht und somit beschließen wir 4 Betten zu kaufen, um zusammen in einem Abteil schlafen zu können. Die Kosten belaufen sich auf 40€ pro Nase, was es uns wert ist, den nächsten Tag nicht getrennt verbringen zu müssen. Womit wir nicht gerechnet haben, ist das miese Gefühl, das sich in den nächsten Stunden aufbauen und das mit jedem Blick, den uns Fahrgäste in unser weißes Wohlstandsabteil werfen werden wachsen wird. Doch der Reihe nach.

Zunächst gesellen wir uns zu der wartenden Menge in der Bahnhofshalle und werden angestarrt wie bunte – oder in diesem Fall wohl eher weiße – Hunde. Den wilden schwarz-weiß Mix aus Südafrika hatten wir eigentlich schon in Simbabwe hinter uns gelassen, doch in Sambia fällt es deutlich stärker auf: hier leben nicht viele Weiße und hier reisen auch nicht viele Weiße. Umso mehr fühlen wir uns in diesem Bahnhof wie eine Attraktion. Was sich am Anfang noch interkulturell-sympathisch anfühlt, verliert nach einer halben Stunde seinen Reiz. Unsere Bewegungen werden kleiner unsere Gespräche leiser, wir versuchen mit der Masse zu verschmelzen, doch es will uns nicht gelingen. Mit jeder „neuen“ Handlung drehen sich die Köpfe. Da hilft auch nicht, dass ein kleines Mädchen sich unter aller Augen zu uns gesellt und brüllend anfängt zu Weinen, sobald Melanie sie anlächelt.

Wir warten und warten – der Zug wird wohl mit ordentlich Verspätung losfahren. Im Grunde bleiben wir sehr entspannt, haben wir doch alle Zeit der Welt. Drei Stunden nach der eigentlichen Abfahrtszeit (und fünf Stunden nachdem wir uns in die Wartehalle gesetzt haben) kommt eine Bahnangestellte und spricht mit den wartenden Gästen. Wir gesellen uns dazu, fragen nach worum es geht: Der Zug wird bald bereit sein, da es jedoch schon Zeit für ein Abendessen sei, könne man dieses auch in der Wartehalle bekommen. Unsere knurrenden Mägen jubeln und für den kleinen Preis von 15000 Sambischen Kwacha (etwa 2€) sind wir absolut dabei. Zu unserem absoluten Grauen bringen die Bahnmitarbeiterinnen zwanzig Minuten später genau zwei Portionen – für uns. Beinahe appetitlos vor Scham essen wir Reis mit einer Art Grünkohl und Huhn während kleine Kinder uns mit großen Augen anschauen.

Schließlich ist der Zug endlich bereit und wir können uns in „unserem“ Abteil verkriechen – der Preis für die vier Betten schlägt uns nun ordentlich auf das Gewissen und doch sind wir froh um die Ruhe. Unbeobachtet lassen wir uns die letzten Stunden in der Wartehalle noch einmal durch den Kopf gehen... und müssen uns dann wirklich wundern. Denn warum werden wir beim Essen einer ausgewogenen Mahlzeit angestarrt, wenn doch beinahe jeder der Fahrgäste eine Tüte mit klebrigen Soft-Drinks und Chipstüten in der Hand hatte, wo die Preise bei etwa 8000 Kwacha für eine Cola und 10000 Kwacha für Chips liegen. Allein das weinende Mädchen hat eine Menge an Chipstüten gefuttert, die den Wert unseres Abendessens übersteigt. Sambia, was ist los mit dir? Wir wissen nicht, ob wir uns ungerecht behandelt oder verwirrt fühlen sollen. So oder so, es gab schon schönere Momente. Wir legen uns in zwei unserer vier Betten schlafen und hoffen, dass morgen die Welt schon wieder ganz anders aussieht, dass wir uns morgen nicht mehr wie nach Geld stinkende Westler fühlen.

Der nächste Tag kommt und mit ihm jede Menge atemberaubende Anblicke der sambischen Landschaften und einige Stops. Dabei gehen die unangenehmen Erfahrungen weiter. Die Einheimischen erwarten die Bahn und Kinder reihen sich auf um die Hand aufzuhalten und zu betteln. Der Hundeblick dauert an, bis sie erkennen, dass wir ihnen nichts geben wollen und so kriegen wir jede Menge hasserfüllte Fratzen zu sehen. Schließlich legen wir uns flach auf den Rücken und hoffen dass uns erst gar keiner mehr entdeckt. Heilfroh verlassen wir den Zug nach 16 Stunden.

Der Grenzübergang ist nicht leicht zu finden und erfordert einiges hin und her, bei dem wir uns zum Glück an drei Däninen anhängen können, die das ganze schon einmal gemacht haben. Kaum über die Grenze, betreten wir... ja was nur.

Eine andere Welt. Wildes Getummel, lachende Menschen, hupendes und wilder Strassenverkehr, Waren und Handel. Die Ankunft ist toll, mit uns wird gespaßt und gelacht, obwohl man hier schlechtes Englisch spricht und die Kommunikation in Afrika noch nie so schwer für uns war wie hier in Tansania. Unsere Seele baumelt, ein friedliches Gefühl macht sich breit. Mit einem Minibus machen wir uns auf den Weg in die nächst größere Stadt: Mbeya. Wir essen zu Abend an einem Straßengrill, wo wir herzlich behandelt und angestrahlt werden. Trotz aller Freundlichkeit konnten wir der netten Frau kein Kompliment für ihr in Fett getränktes Essen geben. Gestärkt gehen wir schlafen und sitzen am nächsten Morgen um 6:00 Uhr im Langstreckenbus zu unserem eigentlichen Ziel, Dar el Salam. Schlussendlich kommen wir 48 Stunden nach der Abfahrt der Tazara an, wenn auch etwas umbequemer. Die knapp 2000 km gen afrikanische Ostküste sind geschafft. Der Empfang in Tansania hätte nicht besser sein können und wir sind gespannt was wir in diesem Land noch erleben werden.

Wo wir sind...

Zentral & Südamerika
Position Hawaii
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Literatur & Filme

Cambodias Curse von Joel Brinkley [Buch]
Kambodschas Geschichte von Vorgestern bis Heute

Rumour of Spring von Max du Preez
[Buch]
Südafrika nach 20 Jahren Demokratie


Spielball Erde von Claus Kleber: [Buch], [Dokumentation], [IPad-App]
Kampf um knappe Ressourcen

12 Years a slave
[Buch],[Film]
Wahre Geschichte eines entführten und versklavten Amerikaners

Webseiten

Kiten im Paradies bei D&D Kitetravel

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